Duschgedanke: Doofer Facebook-Clickbait

Wie fühlen sich eigentlich die Personen, die (frei-)beruflich diese doofen Klick-Höllen-Bildchen herstellen? Jeden Anfangsbuchstaben des Alphabets mit einer total frechen Aussage verknüpfen müssen? Auf quadratischem Raum Grammatik-freie Zonen generieren? Den Newsfeed unschuldiger Personen mit sinnfreiem Irrwitz füllen?

Ich frag ja bloss.

 

 

 

Wie du merkst, dass du als Kellnerin den Job wechseln solltest

Als ehemalige Barmitarbeiterin lese ich mit Genuss Satire-Beiträge zum Arbeitsalltag im Service. Denn – sind wir mal ehrlich – die Interaktion mit den Gästen trägt doch immer wieder skurrile Blüten. Manche Besucher gehen einem ehrlicherweise auch tierisch auf die Eierstöcke. Als Freundin vieler leidenschaftlicher Gastronomen stolperte ich regelrecht über den Beitrag Wie du beim Ausgehen mit Barpersonal umgehen solltest. Eigentlich mit gesundem Sarkasmus ausgestattet, musste ich mich ziemlich fest in meinem Stuhl winden.

Liebe Isabella, vielleicht verkenne ich deinen dunklen Sinn für Humor komplett. Vielleicht wolltest du mit deinen aussagekräftigen Fluchwörtern wie «Arschloch« oder «Idiot« besonders edgy sein (ist ja schliesslich VICE, ne). Aber dieser Erguss ist für mich eine Klatsche ins Gesicht derer, die ihren Job gerne machen, einen gewissen Servicegedanken hegen und sich bewusst sind, dass die Gäste letztlich ihren Lohn bezahlen.

Zwischen ironisch-liebevollem Amüsement über Stereotypen und generellen, frustrationsgeladenen Hasstiraden liegt eine nicht so feine Linie. Daher kam nicht nicht drum herum, den Artikel ein wenig auseinanderzupflücken. Für meine Psychohygiene und für alle, die ihren Job in der Gastro grundsätzlich mögen.

 

Hör mit den beschissenen Bestellsprüchen auf

Bestellungssprüche wie „Kannst du mir die Luft aus dem Glas lassen?“, „Einen Gin Tonic, aber für Erwachsene!“ oder „Ein kleines Bier in einem großen Glas. Und bitte voll machen.“, gehen nicht. Du bist nicht einmal in der angebrochenen Stunde das erste Arschloch, das auf diese „witzige“ Idee kommt. Auch wenn wir lächeln-wir tun ausnahmslos nur so, als wäre das ansatzweise lustig. Du bist ein unkreativer Idiot, der wahrscheinlich noch immer Blondinenwitze erzählt. Und noch was: Wenn wir sehen, dass du in Aufbruchstimmung bist und zu deinem Tisch kommen und fragen: „Willst du zahlen?“, dann-ALTER-denk nicht mal daran zu sagen „Nein, zahlen WILL ich nicht, aber MÜSSEN.“ Wirklich nicht. Du Idiot.

Okay, ich gebe zu, diese total originellen Sprüche nerven irgendwann. Hast du jedoch schon einmal darüber nachgedacht, dass dies ein zwar tollpatschiger, aber vielleicht grundehrlicher Versuch sein könnte, das Servicepersonal aufzuheitern? Arschloch? Idiot? Echt?

 

Hör auf zu denken, dass wir deine Gedanken lesen können

Es gibt sie diese Menschen, die zu dir an die Bar kommen und sagen: „Wein.“ Abgesehen davon, dass „Bitte“ und „Danke“ meistens zu viel verlangt ist, stehen wir auch vor einem anderen Problem: Welchen Wein? Eine häufige Antwort in so einem Fall ist „Na ja, einen Chardonnay natürlich.“ N-a-türlich, ganz klar. Wie konnte ich das nicht erkennen? Die Frage nach der Sorte erspart man sich besser. Und wenn ich schon zu deinem Tisch komme und frage, ob du noch ein Bier möchtest, dann möchte ich als Antwort nicht, „Was soll die Frage, sicher will ich noch ein Bier haben“, hören. Woher soll ich wissen, dass dir deine vier Bier noch nicht gereicht haben? Aus der Kristallkugel?

Schon einmal von Humor gehört? Es gibt so viele andere Wege, auf solche Sprüche zu reagieren als mit blankem Ärger. Man könnte charmant-süffissant kontern: „Ich muss wohl an meinen telepathischen Fähigkeiten arbeiten“ bis zu „Ah ja klar, wie dumm von mir, es gibt ja nichts anderes als Chardonnay“. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten. The world is your oyster.

 

Gib uns verdammt nochmal Trinkgeld

Newsflash: Kellner leben vom Trinkgeld. Ihr kennt den Spruch ja: Tip is not a town in China. Solange der Kellner nicht vor deinen Augen in dein Getränk reinspuckt, hast du Trinkgeld zu geben. Und zwar nicht unter 5%. Um dein Gedächtnis aufzufrischen: 10% bei Getränken und 20% bei Speisen. Wenn du kein Geld hast, trink Paderborner oder Tetrawein und nerve jemand anderen. Wenn du mir bei einer Rechnung von 39,60 Euro nur 40 Euro gibst und mit einer gönnerhaften Visage, „Passt schon“, sagst, dann, genau dann möchte ich dir ein Orchester bestellen, um deine Großzügigkeit zu feiern. Nicht, Arschloch. Und wenn du bei einer Zwischenrechnung Trinkgeld gibst, lass dir folgendes gesagt sein: Diese Rechnung ist Vergangenheit und zählt nicht für die nächste.

NEWSFLASH – Trinkgeld gibt es dann, wenn DU dich nicht wie ein Arschloch benimmst und deine Gäste freundlich und zuvorkommend bedienst. Dein Text lässt mich etwas an diesen Fähigkeiten zweifeln. Zur Erinnerung: in der Schweiz verdient man im Service einen Lohn (Zugegebenermassen einen schlechten). Trinkgeld ist in der Schweiz im Preis zudem inbegriffen. Klar, ich hab innerlich auch oft die Augen verdreht, wenn Leute ihr Füfzgi zurück wollten (insbesondere, wenn da noch ne Geldklammer mit Zweihunderternoten auf dem Tresen lag). Trinkgeld geben gehört für mich auf jeden Fall dazu. Es einfach frech zu erwarten, ist kein feiner Zug. Und bevor du wieder einmal Leute ohne Kohle aus dem geselligen Leben ausschliesst: Das sind oft diejenigen, die Trinkgeld geben. Weil sie wissen, wo es weh tut.

 

Frag uns nicht, was denn das beste Getränk wäre

Freundchen, woher soll ich wissen, was du in deinen Erste-Welt-Körper reinschütten sollst? Es ist mir scheißegal. Und das Einzige, was ich dir in so einem Fall empfehle, ist die Tür. 

Schade, dass es dir scheissegal ist, dass deine Gäste was auf deine Expertise geben. Ist auch kacke, wenn die Leute einen gut finden und dann – oh SCHRECK – vielleicht wegen dir wieder kommen. Ich war letztes Jahr in NYC in einigen (gar nicht fancy!) Bars. Da glänzen bei den Barkeepern die Augen, wenn man sie darum bittet, eine persönliche Empfehlung abzugeben. Da muss man keine Sekunde über (zusätzliches) Trinkgeld diskutieren. Und für deren Lohn hättest du wohl nur ein müdes, privilegiertes Lächeln übrig.

 

Wenn du diesen Satz dann noch mit so was wie Puppe, Meister, Chefin oder sonst einem beschissenen Spitznamen beginnst, kannst du dir gratulieren. Du hast dich nämlich gerade zum unbeliebtesten Menschen der Welt gemacht. Weitere Dinge, die man wirklich nicht tut: Schnippen, pfeifen, wie in der Schule aufzeigen (ein kurzes Handzeichen reicht völlig) oder – am schlimmsten – winken. Wenn du winkst, winke ich zurück und damit hat sich die Sache für mich erledigt.

Keine Diskussion. DAS ist der Zeitpunkt, jemanden zu wünschen, dass er mehrmals barfuss und mit Anlauf auf einen Legostein tritt.

 

Schrei uns nicht an

Wir wissen: Es ist laut. Du weißt nicht: Wir hören dich auch ohne, dass du uns in deiner Betrunkenheit ins Gesicht spuckst, weil du aus voller Inbrunst nach deinem verdammten Vodka Bull schreist. Schließlich haben wir gelernt, euch Wahnsinnigen von den Lippen zu lesen.

Genau richtig. Die meisten wissen es nicht und können es nicht einschätzen. Es gibt also keinen Grund, gleich zickig zu werden.

 

Auch in anderen Fällen hast du uns nicht anzuschreien. Solltet ihr in einer Bar sein, in der es Essen gibt: Meistens kann der Kellner nichts für den Fraß, der dir an den Tisch gebracht wird. Wenn du mich anschreist, dass der Salat von Aldi ist und wie du dazukommst, das zu essen, dann mein Freund, dann weiß ich das auch nicht. Wann werdet ihr lernen, dass Koch und Kellner zwei verschiedene Berufe sind? Niemals, nicht wahr?

Es ist klar, dass du nichts für das Vergehen in der Küche kannst und es ist in der Tat nicht fair, dass gewisse Dinge an dir ausgelassen werden (und hast auch das recht, ab einem gewissen Tonfall zu kontern). Du bist als Servicepersonal jedoch das Aushängeschild des Lokals und die einzig sichtbare Person für den Gast. Kein Job ist perfekt – Frag mal die Dame, die für ihren Lebensunterhalt Klos putzt. Also: Krönchen aufsetzen, weitermachen und im Zweifelsfalle beim Scheff petzen.

 

Eine Minute Geduld ist nicht zu viel verlangt

OMG. Manchmal kommt mir vor, Kellnern sei nichts anderes, als sich mit gierigen Hyänen um Energie zu prügeln. In der Regel werden Gäste wie bestellt (haha) im größten Stress ungeduldig und zu nörgelnden Kleinkindern. Ehrlich, wir bemühen uns, jeden einzelnen so schnell wie möglich zufrieden zu stellen, aber manchmal ist eben viel zu tun. Das seht ihr auch, aber aus irgendwelchen Gründen fehlt euch die Fähigkeit, eins und eins zusammenzuzählen. Generell gilt: Wenn der Kellner länger für deine Bestellung braucht, dann gibt es einen Grund. Wenn der Grund ist, dass du scheiße bist, dann bist du selbst Schuld.

Ja, es gibt sie, die stämpfelnden Gesellen, die Vordrängler und die, die meinen, sie seien die einzigen auf dieser Welt. Ohne dir persönlich etwas unterstellen zu wollen:Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass die eigene Ausstrahlung eventuell einen Einfluss auf die Stimmung der Gäste haben könnte? Ich weiss – was für eine Erleuchtung! Wenn beim Barpersonal der Anschiss schon aus allen Poren kommt, muss man nicht überrascht sein, wenns mal aus einer Ecke quengelt.

 

Hör auf uns anzumachen und wage es nicht, uns anzufassen

Keine Kellnerin will deine dämlichen Sprüche über ihr Aussehen hören. Was auch immer du von dir gibst-wir haben es uns schon Millionen Mal von einem Anderen anhören müssen, der vor dir da war. Behalte deine Anmachsprüche für dich. Jeden. Wir sind nicht da, um mit euch zu flirten oder euch unsere Nummer zu geben. Wir sind hier, weil wir gerne in den Urlaub fahren, uns Möbel kaufen wollen oder gerne mit dem Taxi fahren. Anstarren könnt ihr euch auch abschminken. Findest du das angenehm, wenn dich jemand ansieht, als würde er überlegen, dich zu kaufen?

Und das, was du wirklich niemals, never ever, unter gar keinen Umständen jemals machen solltest: FASS. UNS. NICHT. AN. Greif uns nicht an den Arsch, berühre unsere Hand nicht „zufällig“, lass unsere Hüften in Ruhe und denk nicht dran uns zum Abschied ein „Küsschen“ auf die Wange zu geben. Wir werden ziemlich sicher kotzen müssen.

Absolut. Richtig. Fuck yeah. Übergriffe, egal, ob verbal, nonverbal oder handgreiflich, sind scheisse. Aber das gehört für mich in einen eigenen Artikel. Und zwar als Hauptthema. Ganz an den Anfang.

Glückwunsch! Mit diesem Beitrag hast du bestimmt erreicht, was du wolltest: weniger Menschen an deinem Tresen. Dummerweise werden sich wohl genau die von dir vergrault fühlen, die sich anständig benehmen. Vielleicht solltest du dir einen neuen Job suchen. Kleine Vorwarnung: Meist sind Menschen involviert.

In diesem Sinne: Cheers!

2017 – du warst gut zu mir!

Das ist natürlich nur mein ganz subjektiver Blick auf mein kleines Leben. Das Jahr 2017 war leider alles andere als rosig für die Welt. Trotz allem (oder jetzt erst recht!) möchte ich auf meinem persönlichen Spielplatz ein wenig in Erinnerungen schwelgen und dem Jahr ein kleines Kränzchen winden:

Liebes Jahr 2017. Du warst intensiv, nie ruhig, nie wirklich gelassen  – dafür umso farbenfroher und abenteuerlicher. Du hast mir Freiheiten beschert und neue Leidenschaften in mir erweckt. Du liessest mich grosse Herausforderungen meistern und hast mir gezeigt, wozu ich fähig bin. Du zeigtest mir auch meine Grenzen. Und das ist gut so. Du hast mich an meine Lieblingsplätze geschickt und dafür gesorgt, dass ich mich in neue Orte verliebe. Ich durfte um die Welt reisen und erleben, wie sich die Sonne mitten im Tag in ein mystisches Wesen verwandelt. Du hast mir die Liebe zu den Sternen gezeigt und mich immer wieder tanzen lassen. Du warst auch sexy und very burlesque! Das Schönste an allem: Ich durfte diese besonderen Augenblicke mit lieben Menschen von nah und fern teilen.

Du hast mir zudem ein weiteres gesundes Jahr geschenkt. Dafür bin ich dir besonders dankbar. Bitte sags dem Jahr 2018 weiter. Denn dann gibt’s erst recht was zu feiern! Sag ihm bitte auch, dass ich mir bessere Zeiten für die Welt herbeisehne. Dass wir noch mehr für unsere Rechte einstehen und uns um Schwächere kümmern. Gleichgültig, woher sie kommen oder wen sie lieben. Dass Hass und Egoismus weniger werden. Und wir wieder mehr auf unsere Herzen hören.

Ich wünsche euch allen ein phänomenales Hineinschweben ins neue Jahr. Auf dass ihr gesund, munter und glücklich seid und dies auch mit jemandem teilen könnt!

Euer Mariechen.

 

P.S:

Hier noch einer der verblüffendsten, bewegendsten und auch spirituellsten Momente in diesem Jahr, festgehalten von Nunzio:

total solar eclipse 2017

Totality. Taken in Madras, Oregon. Photo credit: Nunzio Mannino, 2017 (instagram: @the_noo)

 

 

 

 

Krafttraining als Hobby – es ist möglich

Freizeitbeschäftigungen sind so individuell wie die Menschen: Vom leidenschaftliche Leser, Gärtner über den Extrem-Filmegucker bis zum Barbie-Sammler ist alles dabei. Und das ist auch gut so. Doch wird nicht leistungsorientierter Sport und im Speziellen Krafttraining oft nicht als ernst zu nehmendes Hobby betrachtet. Fälschlicherweise.

 

«Was, du trainierst viermal die Woche im Fitnesscenter? Wie hast du denn noch Zeit für Hobbies?» wurde ich schon grossäugig gefragt. Oder: «Kompensierst du etwas damit? Hast du überhaupt ein Leben?» und gerne auch: «Findest du das nicht langsam etwas extrem?». Lustigerweise fallen solche Sätze eher selten, wenn jemand sagt, er sammle Kunstobjekte aus der frühdadaistischen Szene oder wälze Thomas Mann, bis der Arzt kommt. Es scheint auch selbstverständlich, dass jemand an Sport-Wettkämpfen teilnimmt oder in einer Fussballmannschaft mitspielt. Doch wenn jemand einfach für sich joggen geht oder regelmässig das Fitnessstudio frequentiert, weil es ihm Freude macht, dann hört anscheinend der Spass auf. Zumindest für die anderen. Doch warum ist das so?

Sport wird gerne mit Mord in Verbindung gebracht
Irgendwo scheint sich bei vielen die Auffassung eingeschlichen zu haben, dass Fitnesstraining eine absolute Qual und ein notwendiges Übel sei. Man betrachtet Sport als eine Bürde, die zwischen einem selbst und seinen «richtigen» Hobbies steht. Es ist Mittel zum Zweck und macht den Weg frei zum mehrwöchentlichen Schlemmen im Lieblingslokal. Dass es auch Spass machen kann, ins Fitness zu gehen, unvorstellbar!
Als begeisterte Hantelstemmerin und Ernährungswissenschafts-Fan findet man sich also immer wieder einmal in einer unangenehmen Rechtfertigungsrolle und hat fast den Eindruck, sich dafür schämen zu müssen, ganz offenbar kein richtiges Hobby zu haben. Und offensichtlich ein ganz schlimmes Ego-Defizit auszugleichen hat.

Was macht denn ein richtiges Hobby aus? Es sind sich wohl alle einig darüber, dass man ein Hobby freiwillig anderen Tätigkeiten vorzieht, weil es einen mit Freude und Befriedigung erfüllt. Man ist zudem intrinsisch motiviert, sich weiter über die Thematik zu informieren, mit dem Ziel, richtig gut in dem zu werden, was man gerne macht. Ein Hobby soll zudem auf irgend eine Weise zielorientiert sein, dass man beispielsweise irgendwas gewinnen kann oder man sonst etwas aussergewöhnliches erreicht. Ausserdem soll die liebste Freizeitbeschäftigung Energie spenden fürs sonstige Leben, eine gewisse Perspektive schaffen und körperlich oder seelisch gut tun. Nun gut. Warum sollte das nun Krafttraining nicht können?

Ein kleine subjektive Ausschweifung
Wenn ich den Kraftbereich im Studio betrete –  Lieblings-Musik dröhnt aus meinen Kopfhörern – beim Griff an die Hantel den Metallgeruch einatme und spüre, wie meine Muskeln Arbeit verrichten müssen, um das Gewicht von A nach B zu bewegen, dann erfüllt mich das mit Faszination. Faszination darüber, was ein Körper alles so leisten kann. Jedes Mal etwas mehr Gewicht bewegen zu können, zu sehen, wie ich Fortschritte mache, zu erfahren, wie ich meine eigenen Erwartungen übertreffe, gibt mir ein Gefühl der Befriedigung. Die Ziele setze ich mir zwar selbst und einen Preis erhalte ich dafür nicht (also irgendwie schon, einfach nur in meinem Kopf, bei tosendem Publikum, natürlich), aber deswegen haben diese Ziele nicht weniger Berechtigung als offiziell gesetzte. Die Belohnung ist mein Körpergefühl. Die Muskeln geben mir einen aufrechten Gang. Sie verringern meine Rückenprobleme. Mein Körper fühlt sich stark und gut. Mein Schlaf ist heute um Welten besser. Und ja, der Körper fühlt sich sexier an. Verklagt mich. Der Fakt, dass Krafttraining (Wenn vernünftig ausgeführt!) nachweislich die Knochendichte verbessert und somit vielen Altersbedingten Krankheiten vorbeugt, nehme ich als zusätzliches Zückerchen nur zu gerne entgegen. Nicht zuletzt tue ich im Fitnessstudio einfach mal etwas für mich, bin konzentriert und fokussiert.

Sozial und auch ein bisschen intellektuell

Wer jetzt rausschreit, dass das alles sehr egozentrisch und oberflächlich: Ja, Krafttraining mag auf den ersten Blick selbstzentriert und oberflächlich wirken (wer meinen Simi-Lifts-Instagram-Account kennt, muss auch mal das eine oder andere Selfie über sich ergehen lassen). Doch das macht nur ein kleiner Teil dieser Freizeitbeschäftigung aus. Personen, die sich eingehend mit dem Thema Krafttraining und Ernährung beschäftigen, investieren sehr viel Zeit in Recherche und das Wälzen diverser Lektüre. Man besucht Communities, in denen man sich mit Gleichgesinnten zum Thema austauschen und einander motivieren kann. Wer die komplexen körperlichen Auswirkungen von Sport und Ernährung wirklich verstehen will, paukt ausserdem ganz freiwillig und quasi im Vorbeigehen einige Lektionen in Chemie und Physik. Wer wirklich erfolgreich seine sportlichen Ziele erreichen möchte, muss sich mit der Materie ausgiebig beschäftigen und stets offen sein für Neues. Da darf man doch zwischendurch seine Erfolge mit einem kleinen Insta-Ego-Kick feiern!

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, viermal in der Woche Hanteln gegen die Schwerkraft zu bewegen. Muss es auch nicht sein. Es sammelt auch nicht jeder Barbies aus der Nachkriegszeit. Oder Kaffeekapseln. Oder rutschen bei Eiseskälte durch den Schnee oder fahren Eisenbahn im Keller. Hauptsache, es macht denjenigen glücklich und irgendwie zu einem besseren Menschen.

 

 

Die schöne Welt der Confcalls – Eine Typologie

Mit fortschreitender Digitalisierung erfreuen sich Telefonkonferenzen, Skype-Meetings und Video-Calls immer grösserer Beliebtheit. Überhaupt ist es gar nicht mehr en vogue, sich persönlich zu treffen. Dank diverser neuer Technologien können sich Geruchs- und Nähe-Neurotiker endlich entspannen, weil sie weder unangenehmen Blicken ausweichen, noch zu viel Körperkontakt aushalten müssen. Perfekt! Doch die fortgeschrittene Technik bedeutet nicht, dass wir Menschen diese auch zwingend beherrschen. Für Neulinge können Confcalls sehr belastend und verwirrend sein. Die folgende (lange im Freundeskreis diskutierte und wissenschaftlich erprobte!) Typologie soll helfen, diese Emotionen einzuordnen.

(Anm. d. Red: Der Einfachheit halber habe ich die maskuline Form verwendet, natürlich gibt es das alles auch in Frau)

Der Spätzünder
Ein sehr beliebter Genosse, insbesondere, wenn er eine Schlüsselrolle in der Thematik innehat. Man erkennt ihn daran, dass er mitten ins Gespräch platzt, eine wichtige Stimmlage aufsetzt und die besten Entschuldigungen bereithält: der Chef musste ihn schnell befördern, er habe das Büro nicht gefunden, ein Yeti habe ihm den Weg zur Kaffeemaschine versperrt oder das Telefon sei plötzlich verschwunden. Und so weiter. Ganz schön ist zudem die Sonderform der Spätzünder, die versucht, sich möglichst unauffällig dazuzugesellen. Das Piepsen und die darauf folgende Stille beleben jedes Gespräch.

Der technisch Überforderte
Man denkt, eine Telefonkonferenz sei relativ geradlinig zu handhaben. Nix da. Es scheint doch viele Stolpersteine zu geben. Nein, es geht nicht, sich mit Whatsapp in einen Skypecall einzuwählen. Und nein, ein Räuspern ist nicht die richtige Antwort auf die Aufforderung, seinen Namen zu nennen und nein, man sollte nicht auf das rote Hörerchen drücken, wenn man etwas sagen möchte. Nur so. Fürs nächste Mal. Unnötig zu erwähnen, dass die technisch Überforderten wohl eine gewisse Dunkelziffer der Spätzünder darstellen.

Die dunkle Seite des Calls – oder: The Darth Vader
Dieser Teilnehmer hat das Gebiet der Stummschalt-Möglichkeiten noch nicht erforscht. So kommt es, dass Gespräche von einem lauten Schnauben und regelmässigen Seufzern begleitet werden, die an Bedrohlichkeit zunehmen, wenn die Personen etwas zu sagen haben (ICH BIN DEIN VATER!!?). Echte Profis auf dem Gebiet rascheln auch noch mit ihrem Sandwichtütchen oder nehmen zwischendurch ein paar Schlucke von ihrem Kaffee.

Der Abgelenkte
Man sich solche Mühe gegeben. Hat Blut und Wasser geschwitzt, um seinen Auftritt zurechtzulegen. Man schmettert also voller Inbrunst sein wichtiges Plädoyer in Richtung Publikum und wartet angespannt. Grillenzirpen. Aufforderung durch den Moderator. Dann nuschelt es plötzlich «Oh sorry, war grad ein wenig abgelenkt». Frechheit. Das kann schon eine mittlere Identitätskrise auslösen! Was kann denn so viel spannender sein als die eigene betörende Stimme? Man wird es leider nie erfahren.

Der Hijacker
Dieser Zeitgenosse ist sich zwar bewusst, dass sein Thema nicht zwingend das gefragte Thema ist. Das ist jedoch kein Grund, dass man nicht immer wieder damit anfangen und die Konferenz schmerzvoll verlängern kann. Das muss jetzt einfach raus. Auch wenn alle anderen die Stirn auf die Tischplatte legen – Was muss, das muss! 

Silent Bob – oder: der Schweigsame
Eigentlich kein unangenehmer Kollege. Wenn es in Calls nicht elementar wäre, dass man etwas zu sagen hat. Noch besser ist es, wenn die Leute es auch hören, wenn man etwas zu sagen hat. Nur hat diese Spezies – ganz im Gegensatz zu Darth Vader – eine zu innige Beziehung zum «Mute»-Knopf. Man könnte die zwei doch mal in einen gemeinsamen Workshop stecken.

Der Zögerliche
Man hat alles besprochen. Der Moderator hat mehrmals nachgehakt, ob es noch Punkte gebe. Einige verabschieden sich schon mit einem aussagekräftigen Piepsen (zumindest die technisch Überforderten), der eigene Finger wandert auf das rote Hörerchen,  plötzlich erklingt eine Stimme aus dem Off «Moment, ich hab no —-».  Schade, der Finger hat schon gedrückt. Schande!

Diese Liste ist natürlich nicht abschliessend – Ergänzungen sind sehr willkommen. In diesem Sinne: Möge der Call spannend und der Kaffee stark sein!

Auf ein Neues!

Manchmal ist man so richtig doof. Und steht sich selber gerne mal im Weg. Man verliert sich doch schnell einmal auf der Suche nach absoluter Perfektion. Und macht dann lieber gar nichts. In meinem Falle hat dies zur Schreibblockade des Jahrhunderts geführt.

Ich kann gar nicht sagen, was es war: Die Bachelor-These? Das Altern? Oder die zunehmende Furcht vor den Kommentatoren im Internet? Was auch immer der Auslöser war: Irgendwann setzte sich in meinem Kopf fest, dass es total uncool sei, einfach so zu bloggen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Heute, wo jeder, der irgendwie was zu sagen hat (oder eben auch nicht), das Bedürfnis verspürt, seine Ergüsse schriftlich festzuhalten, brauchst du doch ein Thema, worauf du dich voll und ganz fokussierst. Du brauchst eine Spezialisierung! Mindestens einen Expertinnen-Status auf einem bestimmten Gebiet! Relevanten Content! Sonst kann ja keiner mein Profil in eine Schublade stecken. Und das wäre ja ganz schlimm.

Das einzige, was ganz schlimm wurde, war meine Sehnsucht danach, meine Gedanken in Worte zu formen. Es hat sich quasi ein Kreativ-Vakuum in meinem Kopf gebildet, gähnende Leere, ja, ein Tal der Tränen!

Damit soll jetzt Schluss sein. Schliesslich ist das hier der Freudomat. Und der hat schon immer ausgespuckt, was in Mariechens Welt gerade aktuell ist. Und das soll auch weiterhin so bleiben: so soll hier nun wieder mindestens einmal pro Jahr etwas stehen. Oder vielleicht zweimal. Und weil dieser Blog mit mir wächst, werden sich diese Themen immer wieder wandeln. Oder auch nicht? Vielleicht werde ich ja doch noch Balkonbegrünungs-Coach, Oberbefehlshaberin der Grammatikpolizei oder Chairwoman!

Ich hoffe inbrünstig, dass meine drei Leser noch da sind – ansonsten dürfen sich gerne ein bis zwei neue Personen dazugesellen.

In diesem Sinne: bis bald!

P.S: ich habe noch immer kein Korrektorat. Und weil ich selber bekanntermassen Gritler bin, darf man mich ebenso korrigieren. Jawohl.