Wasserwerk – einmal durch die Mangel

Im Berner Wasserwerk werden Musikstile neu erfunden, ob man das nun will oder nicht. Letzten Samstag an der Teki Latex‘ Birthday Party drehten die Veranstalter Liebhaber des elektronischen Sounds durch die musikalische Mangel.

Mit der Erwartung, Electro hören zu dürfen, fielen wir also spätnachts ins Wasserwerk ein. War alles noch so wie vor ein paar Jahren, heiss und überfüllt, sanft renoviertes Industriegebäude mit anständiger Akustik. Soweit so gut. Bloss, dass uns der Private-Fiction-Progihouse gehörig auf den Senkel ging. Naja, mal etwas trinken, das kommt dann schon, man muss ja schliesslich offen und locker sein. Einen Blick auf den sehr betrunkenen DJ (der leider auch noch Geburtstag hatte) liess jedoch die Hoffnung auf Besserung stark sinken und weil man ja schon Ausgeh-Profi ist und somit auch eine gewisse Intuition für den Verlauf einer Fete entwickelt, kams genau so, wie man es sich in den schönsten Albträumen nicht ausgemalt hätte. Die Fangemeinschaft auf der Bühne vermochte nur kurz über den wahrlich unkreativen Musikgeschmack hinwegzutäuschen, den umso kreativeren „Mixstil“ lassen wir hier einmal gütig unter den Tisch fallen. Ganz leise tauchten Erinnerungen an die erste Schulfete auf. Bloss ohne Aufregung und Verlegenheit, dafür aber mit vielen, betrunkenen, 20Jährigen Mackern. Ich kann nicht so genau sagen, wann genau es mit meinem Humor aufhörte. War es beim hyperaktiven Remix von Nenas „99 Luftballons“ (inkl hochgepitchte Mickey Mouse-Stimme!) ? Oder doch bei Snoop Dogg?

Zugegeben, wir waren absolut falsch informiert, was das Konzept der Party anbelangte. „Alles, was man auf dem Dancefloor so hören will“ verspricht ja nicht wirklich eine Sparte, sondern eher lustige Party-Knaller, die man „einfach wieder einmal hören muss“. Das Irritierende war dann schlussendlich aber gar nicht der schauerliche Mix von Dance-Klassikern und Justin Timberlake, sondern eher das kurze, aber äusserst verstörende Gespräch mit einem der Veranstalter. Er bejahte nämlich meine Frage, ob denn eigentlich nicht Electro laufen müsse. Ja, weiss der denn etwas nicht, was er so zusammenorganisiert? Er warf sogleich eine Gegenfrage in die Runde, was ich denn so unter Electro verstünde. Wild gestikulierend erklärte ich ihm etwas von wegen Breakdance und all den daraus folgenden Weiterentwicklungen wie Electro House oder Breakbeats undsoweiter. Arrogant, so wie er zu Beginn schon wirkte, antwortete er mir verheissungsvoll, dass das falsch sei. Ich musste leer schlucken. Offenbar wusste ich all die Jahre nicht, was Electro ist. Denn gemäss des charmfreien Organisators sei das „alles, was mit elektronischen Geräten erzeugt wurde“, will heissen von HipHop bis zu all den unentbehrlichen Geschichten wie Ace of Base und sogar Bonnie Tyler. Vielleicht sind das ja die kulturellen Unterschiede zwischen Bern und Zürich, aber wenn mich nicht alles täuscht, heisst das Partykonzept bei uns Fez und Electro ist ganz etwas anderes.

Also, lieber Herr „Ich krieg jedes Bunny ins Bett“, hiermit kläre ich sie hochoffiziell über den Begriff auf – und womit geht das besser als mit Tante Wikipedia?

Electro (Musikstil)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Mit Electro, manchmal auch Electro Funk oder seltener Electro Boogie, wird eine Variante der Elektronischen Tanzmusik bezeichnet, deren Hauptmerkmal die konsequente Verwendung elektronischer Musikinstrumente sowie eines typischen, funkigen tanzbaren Beats ist (besonders oft hergestellt mit dem berühmten Drumcomputer Roland TR-808, in neueren Tracks auch dem härter klingenden TR-909).

Electro als Musikstil ist nicht zu verwechseln mit der Sammelbezeichnung Electro, deren Unterarten sich unabhängig davon ab Ende der 80er Jahre im EBM– und Industrial-Umfeld entwickelten.

Electro wird in den USA generell in die Hip Hop-Szene eingeordnet, viele Tracks der Anfangszeit hatten Raps integriert. Die Musikrichtung war aber auch einer der Grundsteine für Richtungen wie Techno.

Wie man unschwer erkennen kann, wurde HipHop sehr wohl erwähnt, von Bonnie Tyler oder Axl Rose aber keine Spur, auch wenn deren Klänge auf einer Stromgitarre erzeugt wurden. Denn selbst wenn ich in der Zukunft in Zürich verkehre, wo ja angeblich nur Techno läuft, hätte ich darauf wetten sollen.

Bleibt nur noch anzumerken, dass wir grundsätzlich nichts gegen Klassiker haben. Auch an diesem Abend liefen teilweise Stücke, die man wirklich gerne mal wieder hörte. Allerdings gibt es auch bei dem Konzept des Erinnerns Spreu und Weizen, das man zu trennen wissen muss.

Fazit: Auch der Veranstalter sollte zwischendurch auf seine Flyer schauen.

11 Kommentare zu “Wasserwerk – einmal durch die Mangel

  1. Dein Kommentar zu diesem äusserst gelungenen Abend find ich einfach nur geil! Ich glaub, ich hätte den Veranstalter verprügelt für seine Aussage. Ja, meine Nerven sind im Moment nicht die besten aber Ignoranz muss bestraft werden 🙂 Happy day, Heiri

  2. boah! das tönt ja schwer nach fez! bewirf den besucher doch das nächste mal- wenn es das überhaupt noch geben wird – mit in clerasil getränkten wattebäuschchen! nichts trifft härter;)
    zürisee, zürisee, zürisee. ja ich weiss, so richtig züriarrogant. hehe, und fies;)
    from hell, kiss, die tatze

  3. Na guten Abend, Tatze! 😉

    Wenn es wenigstens nur der Besucher gewesen wäre. Nein, es war der Organisator. Den mit den Clearasil-Bäuschchen muss ich mir merken, unter Umständen und mit der richtigen Beschleunigung kann das ganz schön wehtun, höhöhö.

    From the room next to you, kiss, die Bösmarie 😀

  4. Ich fühle mich irgendwie geehrt:

    Hallo Mariechen,

    1. Auf keinem von uns publizierten Flyer stand die Bezeichnung Elektro – Das Ganze wurde stets einfach als Teki’s Geburtstagsfeier verkauft – auch im Newsletter, wo wir übrigens auch Links zu YouTube-Filmchen integriert haben, die deutlich zeigen, was Teki macht. Und das ist tatsächlich nicht Elektro. Dein Textmotiv wird hier also schon mal nichtig, dein Angriff ungerecht.

    2. Das Gespräch war einseitig – du lässt den Menschen wenig Zeit sich zu äussern, gibst dir die Anworten scheinbar gerne selber und bildest dir dabei ein, dein Gegenüber hätte sie von sich gelassen. Deine Interpretation von Elektro war „Minimal, Elektro“. Aha. Und: Ja, ich bin arrogant und wenig charmant gegenüber intoleranten Menschen – so verkaufst du dich ja gerne.

    3. Ich habe die Zukunft und Techno nicht so einfältig zusammengebracht, wie du das hier darstellst. Ich sprach in diesem Zusammenhang von Minimal House und Cosmic Disco. Die Zukunft ist gut, sehr gut!

    4. Ich krieg nicht jedes Bunny ins Bett – aber danke, dass du mir das zutraust. Du weisst: Ich bin arrogant und uncharmant, das macht sich schon mal nicht gut. Zudem bin ich seit langer Zeit liiert und zufrieden so.

    5. Es ärgert mich ungemein, dass ich mir die Zeit nehme, auf einem völlig irrelevanten Blog Stellung zu nehmen zu einem Text von einer völlig irrelevanten Person. Aber du schreibst gut – Talent verdient anerkannt zu werden.

    Nichts für ungut und alles Gute in der Zukunft, da wirst du ja jetzt wieder hingehen.

    Lieber Veranstalter,

    Nimmt mich wunder, wie du mich gefunden hast, das hätte ich nicht erwartet. 😉

    Okay, zugegebenermassen habe ich mich ein wenig in Rage geschrieben, was dein Privatleben anbelangt, selbstverständlich war das angedichtet und völlig voreingenommen. Auch zum Punkt bezüglich des Programms kann ich dir Recht geben, wie ich im Text schon vermerkt hatte, wir waren tatsächlich nicht über den uns erwartenden Soundmix im Bilde, und das war auch nicht deine Schuld, deshalb auch meine leicht überhebliche Art als arrogantes Zürcherchen. Einzig verwirrender Punkt in der Geschichte war für mich nunmal , dass wir über Elektro diskutierten, obschon du mich just in dem Moment hättest korrigieren können. Ich denke, das kann man schon herauslesen.

    Kann sein, dass du ein bisschen zu wenig zu Wort gekommen bist, wer weiss, vielleicht wäre das ja noch eine interessante Begegnung und Diskussion geworden. Aus dem Gesichtspunkt der Zeit und der Lautstärke, konnte das gar nie so einen ernsthaften Charakter entwickeln. Das Gute ist ja nun, dass Du Stellung dazu genommen hast, dafür kriegst du grosse Respektpunkte. Kannst beruhigt sein, der Post wird bald ein paar Meter runterrutschen und es wird Discogras darüber wachsen. Du machst dein Ding, ich meines.

    Es muss Dich nicht ärgern, dass du hier kommentierst. Das ist deine Entscheidung, ob du dich auf eine solche Diskussion einlassen möchtest, oder eben nicht, du hättest gerade so gut die Schultern ob meines irrelevanten Beitrags zucken können, weil er für dich eben redundant ist. Mein kleines Blog ist da für mich,um meine Eindrücke von einem Gespräch und eines Abends zu schildern, dass diese sehr momentbezogen und subjektiv sind, das ist klar. Jetzt habe ich auch deine Meinung und das ist umso besser.

    Kleine Anekdote aus meinem ehemaligen DJ-Leben: Auch ich wurde oft und gerne als Scherzfigur für gewisse Medien entwendet, ohne mich zu erst zu fragen: Da gibts nur eins, und das heisst Humor!

    In diesem Sinne wünsch ich Dir weiterhin viel Erfolg im Wasserwerk, mit deinem Sound und deinen Konzepten.

    Es grüsst,
    Das Mariechen

  5. Whoopsie, jetzt hab ich technisch Versierte doch deinen Kommentar gelöscht, Herr Veranstalter. Hier ist er aber noch gepastet:

    Von Finden kann nicht die Rede sein, ich wurde auf deinen Eintrag gezielt hingewiesen. Ich habe Google-erfahrene und anscheinend mit detektivischem Talent ausgestattete Freunde, die wissen, dass nur einer gemeint sein kann, wenn sich in einem Text ein Kreis mit den Worten WASSERWERK – VERANSTALTER – ARROGANT – UNCHARMANT quadriert.
    Nochmal: An diesem Abend ging es nur ums Feiern, die Musik war ausnahmsweise mal wirklich nur Mittel zum Zweck und nicht konzeptueller Pfeiler der Veranstaltung. Du hast ja jetzt meine Email-Adresse. Wenn du dich durch den Stilgarten der zeitgenössischen Musik durchdiskutieren willst, dann bitte.
    Und die Nummer mit dem „arroganten Zürcherchen“ ist überholt. Die Zürcher Arroganz, wenn sie denn überhaupt existiert (Ich kenne nur Okay-Zürcher), ist eine unnötige Arroganz der Schwäche, sie kann mit wahrer, innig gefühlter Arroganz schnell gebrochen werden 😉

  6. @Veranstalter:

    Ich glaube, wir verstehen uns immer besser. 😉

    Das einzige, was sie noch nicht ganz entdeckt zu haben scheinen(wie auch, nach all dem!),ist mein schon fast zynischer Hang zum Ausleben überholter Klischees. Ich liebe es.

    Und glauben sie mir: Ich tu nichts lieber als Feiern und herumgumpen. Und das nicht nur zu Minimalelectrotechnodeephousekuddelmuddel, nein, zu fast allem. Aber ich darf auch sagen, dass mir die Auswahl der Musik schlicht nicht gefallen hat. So einfach ist das.

    Wir können gerne weiter diskutieren. Dann aber über Musik.

    Es grüsst,
    Der passivarrogante Schwächling 😀

  7. sag mal, lief da auch „love is in the air“?
    yoh, da geht ja mal was, offenbar hat’s in bern paar typen denen man sich sexy die zähne ausbeissen kann;)

  8. Nein, soweit ich mich erinnern kann, nicht. 😉
    Und wie was geht, mein Rant scheint sich wie ein Lauffeuer zu verbreiten. Dabei wollt ich doch nur mal kurz ein wenig mötzeln. 😀

    Tja, wär ja langweilig, wenn man sich nicht mal etwas die Zähne ausbeissen könnte! Meine Wange ist schon ganz geschwollen.

  9. liebes, vielleicht kannst du ja mal statt deiner wange deinen knackigen hintern hinhalten. mal schauen wer dann wieder ins schwitzen kommt! falls es zum duell kommen sollte, dein sekundant auf messerschaften high heels steht bereit zum kampf, yo sista:)

  10. Wie ich solche Diskussionen liebe, und: toll, sie sind überall identisch, es lebe die geogalaktische Einfältigkeit.

    Musikgeschichte ist eben auch nur Geschichte, und wie gefärbt Geschichtsschreibung mitunter ist dürfte dem Durchschnittsbildungsbürger ja durchaus mal aufgefallen sein. Grad bei so Überlegungen wie „Style X entstand aus Style Y“ oder „X paßt gut als Klassiker in ein Y Set“ spielt dann doch die eigene musikalische Sozialisation eine größere Rolle als unscharfe „Fakten“.

    Bsp: Für mich isch der ganze Minimal ein neuer Aufguss von Sachen wie Tubeway Army oder Human League, für jemand anderen hat er was mit U96 zu tun – ja mir doch egal! 😉

    Ich bleib bei: es ist alles nur Rock’n’Roll, mir doch wurscht was die Töne erzeugt solang’s entweder Kopf, Füße, oder beliebige Partien dazwischen anspricht.

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