Sommerliche Rastlosigkeit

Es ist Sommer in Zürich. Da dieser aber leider meist nur gefühlte zwei Tage dauert, müssen die Züritierchen dafür sorgen, dass sie möglichst jede freie Minute das Näschen in das laue Sommerlüftchen stecken. Am besten, man geht gar nicht erst nach Hause. Schliesslich gibt es am Rundfunk auch ein Sofa und man hat sogar eine Bar mit Barman, der einem regelmässig Teufelszeugs in Bechern serviert – Klar, nicht ganz gratis, das Ganze, aber prickelnd lecker. Die Musikanlage ist zwar nicht der Wahnsinn, dafür aber schön laut, was einem die Gelegenheit gibt, tief in sich hinein zu meditieren und innerlich lautstark über die angestrengt szenigen Menschen zu grinsen.

Selbstverständlich darf es nicht bei einem Ort bleiben und so macht man sich auf, um endlich auch mal in Frau Gerolds Garten herumstehen zu können. Nett ist es, auch wenn man von naturdünnen Zwanzigjährigen mitleidig angeschaut wird ( Ist ja gut: ihr werdet auch noch schrumpelig, da führt kein Weg daran vorbei!). Um den Abend abzurunden und an der frischen Luft zu bleiben, geht man am besten an eine illegale Waldparty.Wie früher. Nur müder. Auch wenn der Hin- und Rückweg länger dauert als der Aufenthalt auf dem eigentlichen „Dancefloor“ bleibt das gute Gefühl, was Besonderes erlebt zu haben. Oder wann bekommt man sonst Ecstasy angeboten, währenddessen ein riesen Feuerwerk statt in der Luft schon am Boden losgeht?

Nach einer kurzen Schlafpause hat man das Trauma ja gottseidank überwunden und begibt sich an einen total geheimen Ort am Zürisee, wo man sich nicht in einer riesigen Fleischfabrik wähnt und Punks, Yuppies (ja, die gibt’s schon noch- oder bsser: wieder?), alte Männchen, Hundebesitzer, Jogger ohne mit der Wimper zu zucken nebeneinander an ihrem Bierchen nippen und jede Stunde mal planschen gehen. Keine gegenseitigen Überdröhnungsversuche mit Musik – Keine hypernervöse Frisbee-Spieler, die ihr Talent just in dem Moment und an dem Ort ausleben müssen, wo sie eine spontane Enthauptung eines Mitmenschen riskieren. Einfach daliegen, lachen, trinken, Schundmagazine lesen (Rihanna hat ein Alkoholproblem, Suri Cruise ist ein verwöhnter Saugoof und Katie ist wieder Waitie Katie und ganz fest einsam!)und möglichst unelegant auf seinem Sarong (ja, den habe ich aus Thailand!) herumliegen. Pures Leben.

Ich höre den geneigten Leser schon lauthals „KOMMERZ“ schreien angesichts dieses eher gewöhnlichen Programms. Aber: Es macht halt am Ende des Tages doch mehr Spass, wenn man eine Stimmung mit anderen Menschen teilen kann. Sich gegenseitig in irgendwelchen Kunstcafés gelangweilt anschweigen und so tun, als wäre man total intellektuell, kann man auch später noch.

In diesem Sinne: Hoch die Tassen! (Da darf imfall auch nur Cola oder Mineral drin sein)

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