Bimaru, gefällig?

Nein, es geht hier nicht um diesen Zusammenzug der Anfangsbuchstaben der nordindischen Staaten, der scheinbar für einen rassistischen Ausdruck steht. (Bin auf der lustigen Google-Reise natürlich auf einige mehr oder weniger unseriöse Artikel gestossen, so schnell geht das heutzutage) . Es handelt sich natürlich um einen kleinen Abschnitt auf der wirklich grosszügig angelegten Sommerrätsel-Seite des Tages-Anzeigers, wo sich nebst des von der Menschheit geliebten Sudokus , dem ich mich nach wie vor verweigere (Zahlen, iiihh!), ein ähnlich grosses Rätsel, eben das Bimaru, wiederfindet. Ich meine, Sommer und schlaflose Nächte gehen natürlich mit dem Lösen von Kreuzwort- und anderen Rätseln einher, es gibt fast (!) kein besseres und entspannenderes Mittel, zum Schlaf zu finden. Wenn man(frau) alleine ist, natürlich. Nun ja. Es entgeht jedenfalls noch immer meiner Kenntnis, welche Entstehungsgeschichte hinter Bimaru steckt, oder wie lange es das schon so gibt. Aber eins weiss ich: es macht Freude und stürzt sogar schon fast mein Lieblingsrätsel, das schwedische nämlich, von seinem ewig verteidigten Thron. Auch wenn erwähnt werden muss, dass ich für meinen Teil noch sehr schlecht bin, was den Lösungsweg anbelangt. Ob dies wohl an den doch noch enthaltenen Zahlen liegt? An der Regel bestimmt nicht, man muss nämlich bloss die unten aufgeführten „Schiffe“ so einzeichnen, dass einerseits die jeweils am Ende einer Kolonne angegebene Anzahl stimmt (von beiden Richtungen), und sich in keinem Falle berühren. Viel Spass beim Hirn-Zermalmen. 😉

Und natürlich noch das obligatorische und qualitativ wahnisnnig hochstehende Makrobild der Zeitung:
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Fusion 2007 – Spiel, Spass und Spannung

Wir wurden vom Winde verweht, des Nächtens von der beissenden Kälte aus dem Zelt getrieben. Wir wurden sinnigerweise umzingelt von nicht gänzlich unbekannten, anderen Züri-Tierchen, die den Zeltplatz in eine Tummelwiese für partyhungrige Menschen verwandelten. Schlafen konnte man tatsächlich nur woanders, bloss nicht da, wo wir waren. Doch beinahe nichts von dem hat uns davon abgehalten, einzutauchen, in die Welt des Ferienkommunismus. Jedem wurde ein Lächeln geschenkt, und dieses gern zurückgegeben, niemals ruhte die Quelle der Musik, überall gab es was zu entdecken, ob dies nun neue Stile, Menschen oder Orte waren. Oder ganz einfach speziell durchgeknallte Zustände. Jedenfalls war es einfach anders. Anders als überall sonst.

Natürlich entstanden auch gewisse Ranglisten, die ich hier gerne zum Besten gebe.

Die meistbehandelten Themen

  1. WCs. Ich weiss, das klingt nun etwas eigenartig (oder seltsam, nicht wahr?). Aber wer in den Genuss des Dixie-Ganges (Meyers Pii, um genau zu sein ) an der Fusion kam, weiss, wovon ich spreche. Wie gerne zahlte man zwischendurch 50 Cent, um sich den Anblick der Abgründe der Menschheit ersparen zu können. Da informiert man halt auch gerne mal seine Freunde über den aktuellen Status der WC-Häuschen oder diskutierte über Reinlichkeit und dergleichen. Nicht, dass uns das unsere Freude am Fest genommen hatte. Es war einfach ein hochbrisantes Thema, welches in hochsensiblen Stimmungen umso mehr an Wichtigkeit gewann.
  2. Wetter. Es war aber auch garstig, zwischendurch. Deshalb wurden nur allzu häufig die Wolken analysiert, der noch blaue Himmel (ja, den gabs tatsächlich!) argwöhnisch betrachtet, oder wahlweise der Sonnenaufgang von einem Hangar aus mit Applaus begrüsst. Ja, wir waren dankbar, für jeden Sonnenstrahl, insbesondere beim Tanzen dazu.
  3. Nachbarn (oder auch Ketonia). Sie schmissen einen vor Freude zu Boden, liehen sich gerne mal eine Kippe oder einen Aschenbecher, brachten brav einen Schluck Jägermeister vorbei, suchten Rat in zweifelhaften Zuständen, stolperten regelmässig über unsere zahlreich gespannten Zeltschnüre und schliefen ganz, ganz selten. Da darf man sich doch mal kurz amüsieren. Wir waren ja auch die, die dau-ernd schliefen, oder!
  4. Essen. Davon gab es viel. Zwar vegetarisch, aber viel. Und gut. Und lächerlich günstig. Die Kälte und ausgedehnte Spaziergänge verursachten Bärenhunger, zu jeder Zeit. Somit wurde ungefähr alle drei Stunden jeder Stand ausgekostet, okay, vor allem der Pizzastand. Die Bedienung war auch zu charmant.
  5. Kleidung/Umziehen. Wieviel Jäckchen zieht man nun übereinander an? Kommt man noch durch den Schlamm mit den Turnschuhen? Kann ich mit den Wanderschuhen auch wirklich gut genug tanzen? Das waren sie, die wirklich wichtigen Fragen. Nun, nach ein, zwei Tagen wurde man ja einigermassen routiniert, was die Garderobe anbelangte und man rannte nicht mehr fünfmal zum Zelt, um sich umzuzuiehen. Und das war nun eine grosse, fette Lüge. Der Umziehrekord lag nämlich bei viermal an einem Tag. Und das war Sonntag.
  6. Viecher. Und die Rapsglanzkäfer mögen auch weiss. Das weiss ich jetzt.
  7. Schlafen. So gerne man wollte, man konnte einfach nicht. Da gab es verschiedenste Faktoren, von Kälte bis Reue war alles dabei. Und schlussendlich ging es auch so, zu schöner Musik zu tanzen und die Hände hoch oben in die Luft einzusetzen, wäre ja schade gewesen, alles zu verpennen!

Auch wenn ich mit Sicherheit sagen kann, dass noch mehr brisante Themen vorhanden waren, ist es mir in diesem Moment unmöglich, wieder alles auf den Plan zu rufen. Ergänzungen sind also jederzeit möglich und erwünscht.

Die beliebtesten Aussagen und Begriffe

  • da kommt bald die Sonne durch!
  • Ich muss schon wieder auf Toillette! (Jaja, die Zeit hatte teilweise Kaugummikonsistenz)
  • auffrischender Westwind
  • Ich geh Schoki kaufen
  • Ich hab ein Hüngerchen.
  • Ich muss meiner Luftmatratze eine Herzmassage verpassen. (Fragt nicht!)
  • Es ist geil mit euch!
  • Da kommt wieder eine Regenwolke
  • Achtung, Zeltschnur! Dies wurde dann mit der Zeit erweitert auf ein desillusioniertes: zeltschnuuuuuuuuuuuuuuuuhuuuuuuuuuur!!
  • Gehen wir käfelen?
  • Bin ich betrunken!
  • Awwww, so schön!
  • Ich muss schnell meine Trekkingschuhe anziehen.
  • Ich muss schnell meine Turnschuhe anziehen.
  • Ach, hätt ich bloss auch Gummistiefel.
  • Voll total!
  • Ich konnte schlafen, yayy!
  • Ich geh Pizza kaufen.

Fazit: Es war lustig, es war speziell und unvergleichlich. Ich werde es wieder tun, denn es tut gut, für einmal etwas Hippie zu sein.

Ein grosses Dankeschön nochmals, an alle beteiligten Kitschsiblings, ihr seid der Hammer! 🙂

Und hier noch ein paar Bildchen vom Gelände, bevor die Mucke startete:
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Endlich mal was Sinnvolles…

..das unser Herzchen erfreut, und das sicher nicht nur die Weibchen unter uns. Schon ganz und gar an den Anblick von zertrümmerten Gebrauchsgegenständen wie Telefonkabinen, Mülltonnen und wahlweise Selecta-Automaten oder deren kleine Billet-Schwester gewöhnt, wirkt der Anblick von mannshohen Malven wie Honig für die Seele der Züritierchen. Gut, bestimmt gibt es ein, zwei Ehrenbürger, die das bestimmt eine „Frechheit und Unverschämtheit“ fanden, dass da ein Unhold im Auftrag ewiger Glückseligkeit Malvensamen streute.

Ich für meinen Teil möchte mich hiermit in aller Form bei unserem Blumenterroristen bedanken. Dafür, dass man seit Tagen schon staunen und fantasieren durfte. Dass einen die Riesenblumen so ganz leise an vergangene und verpasste Zeiten erinnern, und einen Hauch eigentlich unerlebten Freigeist verströmen. Hoffen wir, dass Malven auch heisse Tage überstehen, es wäre uns eine Freude.

Fazit: Der Sommer ist da.

Edit: Wegen grosser Nachfrage hier mein wunderbares Handybild dazu:

Malven

Böse Fussballfans, ab in die Manege!

Nachdem mir gestern, Ostermontag, um ungefähr 14.40 Uhr ungefähr hundert volltrunkene sogenannte Fussballfans mich im Bus mit ihrer bierfahne und ihrem leicht aufdringlich aggressiven Unterton beglückten und in meinem Innern so etwas wie eine Sinnkrise auslösten, wusste ich, ich muss mir mal Gedanken zu diesem von mir nicht so priorisierten Thema machen.

Es gibt zwei Sorten von Fussballfans. Solche, die tatsächlich wegen des Spiels ins Stadion fahren und wissen, was FCZ (FCB, YB undsoweiter) ausgesprochen bedeutet. Die kriegen wahrscheinlich die zehn verquetschten Plätze ganz am Rande der Fankurve, damit sie nicht negativ auffallen. Der Rest des Stadions füllt sich mit der zweiten Sorte der Gattung Fussballfans. Die, die sich schon vor dem Spiel ein paar Tell-Bierchen reinschütten müssen, damit sie sich nachher nicht vor Angst in die Hose machen, wenn die eigentliche Action losgeht, nämlich das Hauen der gegnerischen Fans.

Eigentlich gäbe es die Patentlösung für diese problematischen Konstellation: Eine separate Veranstaltung für die Prügelknaben! Ein Stadion, nur für sie reserviert. In der Aufwärmphase gäbe es Bier aus Schläuchen statt des rücksalzenden Sportgetränks. Das wäre dann Pflicht und keiner dürfte auf das Feld ohne mindestens 2 Promille im Blut betreten. Und dann dürften sie sich auf dem Rasen tummeln wie früher die Gladiatoren und sich von mir aus verkloppen. Das wäre doch wunderbar! Dann hätten die sportlichen unter den Fans endlich wieder Ruhe und könnten ohne Ängste Fussballliedchen trällern (oder kreischen) und die anderen müssten nicht erst das mühsame Spiel abwarten, bevor der eigentliche Spass losgeht. Selbstverständlich bestünden die Zuschauerränge dann aus Polizisten, die ebenfalls ungestört mit ihren Tränengaspistolen spielen könnten.

Fazit: Nicht überall wo Fussball draufsteht, ist auch Sportlichkeit drin.

Fazit2: Bier am Mittag reingehauen, lässt einen ganz schön blöd ausschauen.

EDIT: Leider hat sich aufgrund Stress offenbar (danke noo!) der eine oder andere peinliche Fehlerteufel eingeschlichen, hoffe jedoch, dass sich trotzdem irgend jemand amüsiert hat. 😉

Zoorich leben wir schon lange!

Wir jüngeren Schweizer rümpfen ja eher die Nase ob gepflegtem Patriotismus, ja, brechen sogar in unflätiges Gekicher aus, sollte mal jemand Unwissendes den Fehler begehen, sich mit einem Schweizerkreuz auf der Brust auf die Strasse zu begeben. Nichts desto trotz verspürt man durchaus eine Tendenz zum Lokal-Patriotismus. Natürlich war er schon immer da, bisher jedoch meist auf kantonaler Ebene, vor allem wenn es ums Autofahren, Fussballspielen oder die beste Wurst geht, da mutiert beinahe jeder hoch Alternative in sekundenschnelle zum patriotischen Erbsenzähler.

Seit des gewagten Zürcher Slogans für die Euro 08, „Wir leben Zürich“ nämlich, darf man behaupten, dass die Einwohner unseres Städchens, ansonsten eher auf nobles Understatement bedacht, plötzlich hoch motiviert sind, die Attraktivität und die Besonderheit der Limmatstadt hinaus zu schreien, in die grosse Welt. Zoorich wird plötzlich behandelt, als wäre es noch gar nicht erfunden worden. Mit diesem Trend schiessen urplötzlich neue und wahnsinnig innovative Clubs und Lounges aus dem Boden wie die Pilze im Herbst, man stolpert im eigenen Treppenhaus unvorbereitet über Stapel von Magazinen die den Geist Zürichs unterstreichen sollen. Sehr gut im Timing lag auch die Eröffnung des Konsumtempels Sihlcity. Der gelangweilteste Stadtzürcher wird sich nun immer mehr aufgefordert fühlen, als Tourist die Jugendstilhäuser im Enge-Quartier neu zu entdecken (genau, dort, wo die Anwaltskanzleien und Banken wohnen). Man darf nun offiziell ins Brocki gehen, um sich alte Latschen zu kaufen, und bekommt sogar den schnellsten Weg dahin beschrieben, es ist nun erlaubt, nein fast Pflicht, mit ausgebreiteter Züri-Guide-Karte vor der Nase um Hausecken zu ziehen, damit wir noch stolzer werden, auf jeden Winkel des Städtchens. Alles schön und gut, aber es beschleicht einen doch manchmal das Gefühl eines inneren Zwangs. Vorher schon vernarrt in Zürich, schluckt man plötzlich leer, sich fragend, ob denn das eigene Interesse auch ausreichend ist, um sich als Zürcher zu qualifizieren. Wenn man jedoch genauer hinschaut, wirkt vieles übereilig hingepfeffert und doch nicht selbstbewusst genug, man muss grösser werden, breiter, höher, das schnell, aber doch unauffällig, ansonsten könnte man noch den Eindruck gewinnen, man hätte die Stadt vorhin nicht zeigen wollen. Es erinnert irgendwie an einen Schüler, der heftigst mit den Fingern schnippt, weil er vorher lautstark behauptet hat, er würde die Meinung sagen und dann bloss errötet, wenn alle Augen gespannt auf ihn gerichtet sind.

Trotz der schnellen und auch angenehmen Entwicklungen sollte nicht einfach vergessen werden, dass man heute schon ganz gut die Kehle mit Drinks benetzen kann,das Tanzbein schwingen, oder der Lieblingsbeschäftigung, dem „Käfelen“ nachgehen (ausser am Sonntag, da läuft gar nix), dass man sich eigentlich nicht so dermassen beeilen müsste, exibitionistisch kosmopolitisch zu werden. Schon heute, wenn man sich so im multikantonalen und -kulturellen Freundeskreis umhört, würden die meisten echte Stadtzürcher werden wollen, wenn sie sich einbürgern lassen würden. Schon heute strömen Massen von jungen Menschen in die Stadt, um ihr Geld in urbane und klassische Kultur zu investieren, zu trinken, zu lungern, zu gucken. Oder bleiben sogar für immer. Selbst kein grosser Fan von National- oder sonstigem zu grossem Stolz rate ich zur Entspannung. Wir dürfen uns zurücklehnen, ein Sprint dazu schlürfen und auch mal Trends an uns vorbeiziehen lassen, uns amüsieren ob der Bravheit einiger Kampagnen, des zurückhaltenden Bluffs. Und es vielleicht irgendwann mal mitverändern, das Weltstädtchen. Denn wir leben Zürich schon lange.

Züri – Chic ?

So, das war sie also, die Podiumsdiskussion, dies gleich in perfekt alternativem Rahmen, gewisse Leute würden sie sogar eine organisierte Diskussion der Off-Bewegung nennen, aber das blosse Vernehmen dieses Wortes regt zu stundenlangen Gesprächen an. Ich wähle mit Absicht die subjektive Art, über diesen Anlass zu berichten, denn man kann nicht anders, als subjektiv gefärbt sein, wenn es um den Begriff Züri-Chic geht, was ja ein gewisser Stil in Design, Mode und Einrichtungen definieren soll. Leider ging der Fokus auf das eigentliche Thema schnell verloren, doch während es auf der Bühne zusehends in den persönlichen und soziologischen Bereich driftete, fing das eigene Hirn ganz inspiriert von allein an, Kreise durch die Zürcher Kultur, Shoppingmeilen und Lounges zu ziehen.

Wenn man es, wie einer unserer Podiumskandidaten, vom Standpunkt der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ausgeht, nämlich von schick, respektive „etwas schickt sich“, dann muss ich persönlich anmerken, dass diese Art Chic, nämlich der, der sich schickt, inzwischen inexistent ist, zumal mein Eindruck ist, dass es heute in Zürich Chic ist, eben nicht Chic zu sein. Oder ist das eher wieder ein Trend, was wiederum nichts mit Chic zu tun hat?Wenn ich Züri-Chic höre, dann sehe ich Frauen und Männer, mit relativ viel Geld, die sich aber bemühen, Design mit Brocki zu mischen, den Altbau mit teuren Möbeln zuzustellen. Als Begriff, als Eindruck könnte er schon existieren, aber hat nicht jede Stadt seine Ausstrahlung,seinen Stil? Es gibt doch ebenso Bern-Chic, Basel-Chic und St.Gallen-Chic.

Man kann es aber auch von der Seite wie Herr Wettstein sehen. Dass Zürich, vor allem wenn man die gesichtslosen Lounges, die so gerne aus dem züreichen Nährboden schiessen, mit sehr vielen Trendhaschern und parasitären Menschen besiedelt sei, Leute die einfach überall dabei sein müssten, wenn etwas gerade neu eröffnet würde. Dass der Reiz des Neuen eben reizvoll ist, dagegen kann man ja nun wirklich nichts sagen, aber es ist schon richtig, dass man in unserem Lieblingstädchen den Dingen oft keine Zeit und keinen Raum gibt, zu wachsen, zu reifen, eventuell ein paar Narben abzubekommen, was ja schlussendlich zum Beispiel in Paris eben den „Pariser Chic“ ausmacht. Und es geht auch mir so. Ein abgeschrammeltes Sofa im Liquid ist für mich persönlich schicker, als ein neu eröffnetes Ishi. Denn es hat Charakter, für mich, ganz subjektiv und eingeengt. Heisst das nun, wie eine dritte im Bunde der Diskussion angemerkt hat, das Chicness nun doch eben eine Charakterfrage ist und so gar nicht die Frage des eigentlichen Stils?

Ist es nun positiv oder negativ, dass man heutzutage mit Jeans und Turnschuhen in der Kronenhalle einen Drink zu sich nehmen kann? Hat es noch mit Chic zu tun, wenn man sich einfach bloss schick macht, weil man sich in einer solchen Umgebung befindet? nur noch mit der Umgebung selbst bekleidet?

Wie der geneigte Leser vielleicht merkt, könnte man nun stundenlan darüber brüten, abwägen und seine Meinung kundtun. Mein Fazit hierzu bleibt eigentlich das, was Ihr schon ahnt. Ein Züri-Chic ist für mich inexistent, höchstens gibt es einen Stadt-Chic. Zürich hat eine eigene Ausstrahlung, wie sie jede Stadt besitzt, hier nun speziell beeinflusst von zahlreichen Menschen aus verschiedentsten Ländern und Kantonen, Schichten und Szenen. Es ist vielleicht eine schüchterne Stadt, die ihren wahren Chic nur sanft und langsam offenbart, hat man die Augen offen und ein wenig mehr Geduld. Eine Stadt mit vielen, vielleicht wirklich zu neuen Designs, angelehnt an die Mode und an Trends der Welt.

Zum Schluss noch mein Lieblingszitat des Abends:

Zürich ist vielleicht stylish, aber besitzt keinen eigenen Chic“

(Und jetzt seid Ihr dran, meine verehrtesten, eure Meinung zu diesen verworrenen Gedanken zu hinterlassen)

Tanzen oder nicht tanzen, ist das denn die Frage?

Es ist wirklich himmlisch, auszugehen, sich auf einen innovativen DJ freuen (in diesem Falle Herr Koze), und in bester Gesellschaft die Arme und Hüften schlenkern, respektive kreisen zu lassen, mit den Füssen auf den schmutzigen Boden zu stampfen und die Mundwinkel so nach hinten zu ziehen, dass man alle Zähne sieht (auch bekannt als Lächeln). Theoretisch ja ganz einfach. In der Praxis kann es jedoch passieren, dass man beim Start jeder kleinsten Bewegung an deren Ausführung gehindert wird, weil gewisse Menschen offensichtlich die Definition „Tanzfläche“ partout nicht verstehen wollen. Das ist eine Fläche, worauf man tanzt. So einfach ist das. Wenn man das aus irgendwelchen Gründen nicht tun kann oder will, darf man sich auf eine der Sitzflächen begeben, oder sich in den äusseren Bereich stellen.

Eine kleine Typologie soll ein wenig Abhilfe schaffen, um eventuell den einen oder anderen Fallen aus dem Weg gehen zu können.

 

Die Tanzjungfrauen

Der gerechtere Ausdruck wäre wohl eher Jungmänner, sind die Frauen doch, Hand aufs Herz, in allen sozialen- und Altersschichten eher mit dem Tanz-Gen ausgestattet. Bezeichnend für diese Gattung Männchen sind die Hosen in den Kniekehlen (was schon ziemlich behindernd ist, rein tänzerisch betrachtet) und der leicht nervöse Blick, (O-Ton: wir sind zum ersten Mal an einer Minimal-Party!). Man rottet sich unter Seinesgleichen zusammen, und frönt dem Verlegenheits-Jointchen-Drehen. Die Konsumation dieser Tütchen wirkt sich leider sehr negativ auf dem Bewegungsapparat aus. Zu einer Wand zusammengeschlossen, scheinen sie sich mit herausgestellten Ellenbogen gegenseitig zu beschützen, wahrscheinlich vor all den furchteinflössenden Ausserirdischen, die sich an diesem neuartigen Ort befinden.

 

Die Schwanker

Allgemein bekannt: Alkohol macht locker und lässt einen leichter auf die Tanzfläche hüpfen. Diese Mitmenschen haben diese These allerdings ein wenig falsch verstanden und mischen das Kaltgetränk munter mit Cannabis und anderen schlimmen Mittelchen, über welche man nun besser allwissend schweigt. Derart übermotivierte Enthemmungsversuche können das körperliche (und auch seelische ) Gleichgewicht erheblich beeinträchtigen und zu unvorhersehbaren Schwankanfällen führen, mit dem klitzekleinen Nachteil dass diese Kandidaten solche nicht wahrnehmen, da sie durch den Mischkonsum sämtliche Emphatiefähigkeiten im Keime erstickt haben.

 

Die Grenzen-Austester

Dies ist die Erweiterung der oben genannten Spezies und dank eines mir liebsten Menschen haben sie auch einen passenden Namen. Man mutmasst, dass die zu kurze Gewöhnungsphase an die vielen Rauschmittel, die eine Nacht in Zürich so bietet, vor allem ganz junge Leute (meist Männer, so leid es mir tut) dazu verführt, sich wieder in ihre Säuglingsphase hineinzuversetzen und sich an alles, was weich und warm ist, ankuscheln, und dies an verschiedenste Orten und Personen. Ein Ende kann man dem meist nur mit einer anständigen Ohrfeige setzen.

 

Die konzentriert meditierenden

Sie meinen es gut, denn sie lieben die Musik. Ihr Alter ist im Gegensatz zu den Schwankern eher fortgeschritten, man geht nur noch in Clubs und ähnliche Lokalitäten, um Musik zu HÖREN. Trotzem muss man daran erinnern, dass die bekannte Fläche nun mal Tanzfläche genannt wurde, weil sie auch keine Hörfläche ist, es sei denn, man kombiniert es mit tänzerischen Bewegungen. Dass die Meditierenden auch noch die besten Plätze vor dem Dj und bei den guten Boxen für sich beanspruchen und mit halbgeschlossenen Augen den unendlichen Klängen lauschen, ist zwar logisch, aber trotzdem mühsam.

 

Die Bewegungsegoisten

Diese (meist weiblichen) Zeitgenossen tun das, was andere vermissen lassen. Sie tanzen. Das tun sie kunstvoll, ausgeklügelt, mit konzentriert-lässigem Gesichtsausdruck (man könnte ja jemandem positiv ins Auge springen, metaphorisch gesprochen), aber mit enormem Umschwung, sie sind sozusagen die Villen unter den Tanzhäusern, mit illegalem Gartenanbau (nein, versucht nicht, diesen eigenartigen Gedanken zu folgen). Lange Rede, kurzer Sinn: Sie tun alles für ihren Platz, zerquetschen Zehen, bohren spitzige Knochen in Rippen von Anderen, kitzeln armen Männern mit ihren fulminant gestylten Pferdeschwänzen die Nase (oder notfalls auch das ganze Gesicht) und sind kaum zu übersehen. Das wäre ja, sind wir doch tolerant, alles noch ganz okay, würden sie das Wort „Entschuldigung“ nicht bloss vom Hörensagen kennen.

 

Man kann diesen Erscheinungen entgegenwirken, indem sich jeder wieder einmal Zeit nimmt, sich auf das Wesentliche des Ausgehens zu besinnen, darauf, was eigentlich gesucht wird, wenn man sich in die dunklen Keller begibt. Es gibt nebst des Auslöschens der eigenen Lichtern und des Abschleppens von potenziellen Vergnügungspartnern auch noch einen anderen Weg der seelischen Befreiung: Das gute, alte Tanzen, so alt wie die Menschheit. Also Hände rauf und Lächeln drauf, auf das Gesichtchen.

 

AMEN.

Mariechen lebt!

Schon haben sich einige entspannt in ihren Sitzgelegenheiten zurückgelehnt und erleichtert ausgeatmet, von den vielen Partygängern Zoorichs, denn die Welt war plötzlich ruhig. Keine krächzende Stimmlage, keine herzhaft freundschaftlichen Schläge auf willkürlich ausgewählte Schultern, ganz zu schweigen von gemeingefährlichen Sprüngen von Treppen oder wahlweise auch Bühnen.

Wie das Leben halt so spielt, kommt es meist anders als man denkt, und als sich vor der Helvti an der ersten Feier von Marvin.fm ganz arglos auch die ersten Züritierchen versammelten, um sich den Auswüchsen der Invite-Only-Parties zu stellen, da konnte man schon leise vernehmen, dass sie sich anschleicht, die Dame der Nacht, die keine Kosten, und vor allem keine Hindernisse in Form von Feuerwasser scheut. Vielleicht lag das vor allem auch daran, dass sie schon leise kicherte, als sie sich die schon fast hysterisch anmutenden Stossgebete der Gäste gen Tührsteher anhören durfte, und sich wunderte ob der Entwicklung der Kreativität derjenigen Menschen, die vor den obligaten und roten Kordeln um ihr Leben, oder in diesem Falle um Einlass in heilige Hallen kämpfen müssen, um nicht ihre Ehre zu verlieren. Da werden neue Talente geboren! Leise glucksen musste sie auch, weil die Einlassprozedur doch (wieder einmal) viel einfacher abgefackelt hätte werden können, ist doch die Helvti schnell rappelvoll und sich dann zwangsläufig niemand mehr wirklich freiwillig reingequetscht hätte.

Hätte der Veranstalter gewusst, welch Kreatur sich dann in oben genannten Hallen herumtreiben würde, er hätte mit Sicherheit das Prickelwasser im Eiltempo weggeschlossen, das es da gratis (zwecks Stockentfernung) und wirklich überall gab, und das auch noch in Trinkgläsern von absolut unverantwortlicher Grösse. Und da war sie wieder,die kleine Marie, in alter „Frische“ und ganz und gar nicht leiser, laut Sprüche klopfend, und sämtliche Gedanken live und unzensiert aussprechend. Im Kreuzchenschritt (Ihr wisst, verdrehte Links-/Rechtsverteilung) und breitestem Grinsen hielt sie den Reichen und Schönen der Limmatstadt die Kamera so dicht an die Nase, dass diese wohl heute mit hübschen Erscheinungen vor den Augen aufwachten. Gottseidank konnte sie ihre Leidenschaft mit ihrer Begleitung teilen, ansonsten hätte sie ja keine Zeit gehabt, der breiten (oder eben auch nicht) Öffentlichkeit ihr Talent zum langgezogenen Aussprechen gewisser Konsonanten zum Besten zu geben und den Weg zum stillen Örtchen zu versperren, um den Mädels mit hämischem Grinsen zu beweisen, dass man mit meterhohen Stögis nun mal irgendwann stolpern muss, da dies ein mehrfach bewiesenes Naturgesetz ist.

Aber keine Angst, liebe Veranstalter, deren Sommerradiosendung wirklich verehrt wird, das meint sie nicht böse. Unser Mariechen liebt eure Musik und Ideen. Bloss kann sie es nicht lassen, jedes Klischee auszuleben, und von denen gibt es in unserer Lieblingsstadt doch so viele.

Fazit: Sich angeschickert in Klischees zu suhlen kann zu unerwarteten Kopfschmerzanfällen am Folgetag führen.

Und da ich zwar viele Fotos, aber nicht ganz so viele Erlaubnisse zur Veröffentlichung erhielt, hier zu Beginn mal was Unverfängliches (wie es nach der Photoshopsession aussieht, steht woanders geschrieben):

 

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